Scrum ist tot!
Scrum, lange Zeit Vorbild für agiles Arbeiten, stösst im Projektgeschäft zunehmend an seine Grenzen. Kunden verlangen feste Termine und Budgets.

Das Problem: Agilität trifft auf Geschäftsrealität
Scrum, einst als Vorbild für agiles Arbeiten gefeiert, stösst immer häufiger an seine Grenzen. Gerade im Projektgeschäft zeigt sich: Kaum ein Unternehmen arbeitet nach Lehrbuch. Kunden verlangen feste Termine und Budgets. In der Schweiz wurde der Begriff Agilität 2020 sogar zum Unwort des Jahres in der ICT-Branche gewählt.
Diese Realität ist nicht verwunderlich: Scrum setzt auf hohe Flexibilität und ständige Änderungen während eines Projekts. In der Theorie führt dies zu besseren Ergebnissen. In der Praxis verlangen Stakeholder und Kunden aber vor allem eines: Verbindlichkeit.
Grenzen der Agilität im Projektgeschäft
Scrum folgt einem strikten Rahmen, der in der Praxis oft nicht umsetzbar ist:
- Vertragliche Bindungen: Unternehmen sind vertraglich an Termine und Budgets gebunden
- Kundenerwartungen: Kunden erwarten feste Liefertermine oder garantierte Ergebnisse
- Kostenüberschreitungen: Der flexible Ansatz führt häufig zu Missverständnissen und höheren Kosten
Während Scrum in internen Projekten oder in grösseren Unternehmen noch funktioniert, zeigt sich: Kleinere Unternehmen suchen nach Alternativen, die Planbarkeit und Flexibilität in Einklang bringen.
Neue Ansätze für planbare Agilität
Hat Agilität also ausgedient? Keineswegs. Es bedarf lediglich neuer Ansätze, die die Vorteile agiler Methoden mit der Planbarkeit traditioneller Methoden verbinden.
Scrumban: Das Beste aus beiden Welten
Scrumban ist eine Mischung aus Scrum und Kanban. Es bewahrt die Flexibilität der agilen Arbeitsweise, ermöglicht aber gleichzeitig eine bessere Kontrolle über den Workflow. Kanban nutzt eine visuelle Darstellung der Arbeitsschritte, um Engpässe frühzeitig zu erkennen.
Das Ergebnis: mehr Kontrolle, weniger Verzögerungen und bessere Planbarkeit.
Agile Festpreismodelle
Ein weiterer vielversprechender Ansatz ist das agile Festpreismodell. Mit dem Kunden wird ein fester Preis und ein klarer Zeitrahmen vereinbart, innerhalb dessen die Teams agil arbeiten können.
Der Vorteil: Kunden erhalten die gewünschte Planbarkeit, während die Teams weiterhin flexibel reagieren können. Eine echte Win-Win-Situation.
Disciplined Agile Delivery (DAD)
DAD baut auf agilen Methoden auf, erweitert diese aber um wesentliche Aspekte:
- Governance
- Risikenmanagement
- Einhaltung von Zeitplänen
Unternehmen, die DAD einsetzen, berichten von einer deutlichen Reduzierung von Kostenüberschreitungen.
Lean Development
Lean Development basiert auf dem Prinzip, möglichst effizient und ohne Verschwendung zu arbeiten. In Kombination mit agilen Prinzipien entsteht ein Modell, das Flexibilität mit Effizienz verbindet.
Agilität neu denken: Mehr Verbindlichkeit, weniger Chaos
Die Aussage «Scrum ist tot» mag provokativ klingen, spiegelt aber eine klare Realität wider: Agile Methoden müssen sich weiterentwickeln.
Das klassische Scrum-Modell mit seinen endlosen Iterationen hat sich in vielen Bereichen überlebt. Stattdessen sind neue Ansätze gefragt, die die Stärken der Agilität mit den Anforderungen nach klaren Zeit- und Budgetvorgaben verbinden.
Die neue agile Zukunft
Hybride Modelle wie Scrumban, Agile Fixed-Price oder Disciplined Agile Delivery zeigen, dass Agilität in der Praxis durchaus funktioniert – wenn sie richtig umgesetzt wird.
Das Ende von Scrum bedeutet nicht das Ende agiler Arbeitsmethoden. Es ist vielmehr der Beginn einer neuen Ära, in der Agilität und Verbindlichkeit Hand in Hand gehen – um Projekte effizienter und erfolgreicher umzusetzen.